Hinterriß und Eng: Das Tiroler Dorf, das nur über Bayern erreichbar ist

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Hinterriß liegt auf 928 Metern im Rißtal, mitten im Karwendel. Das Dorf gehört zu Tirol, doch eine Straße nach Tirol gibt es nicht: Wer hierher will, fährt durch Bayern. Am Ende des Tals wartet die Eng mit dem Großen Ahornboden – eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Alpen.

Für viele ist Hinterriß nur die letzte Kurve vor dem Ahornboden. Ich halte hier gern an: auf einen Kaffee in der Post, im Naturparkhaus oder für einen der stillen Wege, die die meisten übersehen.

Darum geht es auf dieser Seite

Wissenswertes zu Hinterriß und Eng auf einen Blick

  • Lage: Rißtal, Tirol, Bezirk Schwaz – Zufahrt nur über Bayern
  • Höhe: 928 m
  • Einwohner: 33 (2025), aufgeteilt auf Vomp und Eben am Achensee
  • Sehenswert: Naturparkhaus, Großer Ahornboden, Engalm
  • Mautstraße in die Eng: vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnet, im Winter gesperrt
  • Anreise: über Lenggries und Sylvensteinsee oder Mautstraße ab Wallgau; im Sommer Bergsteigerbus
  • Einkehr: Gasthof zur Post, ganzjährig geöffnet

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Warum gehört Hinterriß zu zwei Gemeinden – und kommt trotzdem zu keiner?

Weil der Rißbach das Dorf teilt: Der Teil westlich des Bachs gehört zur Marktgemeinde Vomp, der östliche zu Eben am Achensee. Anfang 2025 waren 27 Menschen im Vomper Teil gemeldet und sechs im Ebener. Beide Gemeinden liegen jenseits der Berge im Inntal und am Achensee. Eine direkte Straße dorthin gibt es nicht. Deshalb trägt Hinterriß sogar die Postleitzahl von Achenkirch.

Die Folge: Bewohner und Gäste fahren immer durch Bayern, über Lenggries und den Sylvensteinsee oder über Wallgau und Vorderriß. Hinterriß ist damit eine funktionelle Enklave – ein Stück Tirol, das im Alltag nur durch Deutschland erreichbar ist.

Wer baute das Jagdschloss in Hinterriß?

Fürst Karl zu Leiningen. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ er die Wege ins Tal erneuern und nahe der Kirche ein Jagdschloss bauen. 1859 übernahm es Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. Das Schloss ist bis heute in Privatbesitz und nur von außen zu sehen. Mit dem Adel kam der Tourismus ins Tal. Am Beginn der Mautstraße in die Eng erinnert noch der Name „Herzoglicher Alpenhof“ an diese Zeit.

Auch König Ludwig II. jagte im Rißtal. Auf seinen Spuren führt die mehrtägige König-Ludwig-Karwendeltour durch die Gegend.

Was erwartet dich im Naturparkhaus und in der Eng?

Im Naturparkhaus Hinterriß, seit 2009 geöffnet, lernst du das Karwendel kennen: Tiere, Pflanzen, Jagd und Geschichte des Rißtals. Bei Regen ist es mein Ausweichziel, und danach siehst du die Wanderungen rund um den Ort mit anderen Augen. Öffnungszeiten und Inhalte stehen beim Naturparkhaus Hinterriß.

Hinter dem Dorf beginnt die Mautstraße in die Eng. Sie ist vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnet und endet am großen Parkplatz am Ahornboden. Hier stehen auf einer weiten Almfläche Bergahorne, die 300 bis 600 Jahre alt sind; 1966 zählte man 2.409 Bäume. Im Herbst leuchten sie goldgelb – dann ist hier allerdings auch am meisten los. Mehr zum Naturwunder findest du beim Großen Ahornboden, zur Einkehr mit Bergkäse bei der Engalm.

Welche Wege abseits des Ahornbodens lohnen sich?

Viele – und gerade die stillen sind die schönsten. Durch das Johannestal steigst du zur Falkenhütte unter den Laliderer Wänden auf. Die Runde durch Rontal und Tortal ist ruhiger als der Weg in die Eng. Über die Plumsjochhütte geht es hinüber zum Achensee; sie liegt nach Süden und ist schon im Frühling und noch im Spätherbst sonnig.

Mein Geheimtipp ist der kurze Weg zum Jungfernsprung – viele fahren einfach daran vorbei. Wer höher hinaus will, findet nördlich des Tals die Tölzer Hütte und Gipfel wie den Vorderskopf.

Wie still ist Hinterriß im Winter?

Sehr still. Ab November ist die Mautstraße in die Eng gesperrt, kaum ein Auto fährt mehr ins Tal. Die Hütten haben zu, nur der Gasthof zur Post bleibt offen. Dafür wird bei Schnee die Karwendelloipe gespurt – rund 30 km hin und zurück zwischen Hinterriß und der Eng. Die Strecke stelle ich bei der Karwendelloipe vor.

Am Ortseingang gibt es eine ruhige Rodelbahn von etwa zwei Kilometern, den Schlitten ziehst du selbst hinauf. Auf der gesperrten Straße Richtung Hagelhütten kannst du flach spazieren, sogar mit Kinderwagen. Skitourengeher finden am Schönalmjoch eine vom Naturpark ausgewiesene Route.

Meine Tipps & Tricks für Hinterriß

  1. Mit dem Bus kommen: Im Sommer fährt der Bergsteigerbus ab Lenggries; Details beim Wanderbus in die Eng.
  2. Im Herbst früh fahren: Zur Laubfärbung ist die Straße in die Eng am Wochenende stark befahren.
  3. Naturparkhaus vor der Tour: Es erklärt, was du danach am Ahornboden siehst.
  4. Mittags im Winter: Im engen Tal kommt die Sonne erst spät – die wärmste Zeit ist um die Mittagszeit.
  5. Schneeschuhe ins Rontal: viel lohnender als die lange Strecke durch das ganze Rißtal zur Eng.
  6. Unter der Woche: Im Sommer ist das Tal werktags deutlich ruhiger als am Wochenende.

Häufige Fragen zu Hinterriß

Wie viele Menschen leben in Hinterriß?

Anfang 2025 waren es 33: 27 im Teil von Vomp und sechs im Teil von Eben am Achensee.

Ist die Straße in die Eng im Winter offen?

Nein, die Mautstraße ist von November bis Ende April gesperrt.

Kann man in Hinterriß übernachten?

Ja, der Gasthof zur Post hat Zimmer und ist ganzjährig geöffnet.

Wie weit ist es von Hinterriß zum Ahornboden?

Über die Mautstraße sind es einige Kilometer bis zum Parkplatz in der Eng.

Mein Fazit

Hinterriß ist das kurioseste Dorf im Karwendel: ein Stück Tirol, das nur Bayern kennt. Halte auf dem Weg zum Ahornboden an, nimm dir Zeit fürs Naturparkhaus oder ein Seitental – und komm einmal im Winter, wenn das Rißtal ganz dir gehört.

Weiterführende Links

–> Vorderriß und Fall

–> Pertisau

–> Lenggries

–> Alle Orte rund um das Karwendel

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