Der Große Ahornboden liegt im hintersten Rißtal auf rund 1.200 Metern, eingerahmt von den Felswänden der Karwendel-Hauptkette. Auf gut 260 Hektar Almwiese stehen über 2.200 Bergahorne, viele davon 300 bis 600 Jahre alt. Geschützt ist der Ahornboden schon seit 1927, seit 1988 ist er offizielles Landschaftsschutzgebiet und Teil des Naturparks Karwendel. 2014 wählten ihn die Tiroler in der ORF-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ zum schönsten Platz des Landes.
Mein wichtigster Tipp für den Herbst: an einem sonnigen Tag im September oder Oktober vom Parkplatz in der Eng zur Engalm spazieren und die goldgelben Ahornbäume aus der Nähe erleben. Danach gehört für mich ein Stück Bergkäse von der Engalm dazu. Wer noch Lust auf mehr hat, wandert zur Binsalm und genießt dort den Kaiserschmarrn mit Blick über die bunten Wälder. Und wenn du Ruhe suchst: Komm im Sommer unter der Woche – dann ist es selbst am Ahornboden still.
Ein Kuriosum gleich vorweg: Der Ahornboden gehört zu Tirol, mit dem Auto kommst du aber nur über Bayern hin. Am Talschluss wartet das Almdorf Eng mit Schaukäserei, und ein paar Kilometer westlich versteckt sich sein stiller kleiner Bruder, der Kleine Ahornboden.
Darum geht es auf dieser Seite
- Warum gerade hier so viele Ahorne stehen
- Anreise, Maut und Bergbus
- Almdorf Eng und Einkehr
- Wandern am Ahornboden
- Der Kleine Ahornboden
- Die beste Zeit
- Meine Tipps & Tricks
- Häufige Fragen
Wissenswertes zum Großen Ahornboden auf einen Blick
- Lage: Rißtal, Gemeinde Vomp bzw. Eben, Tirol; Zufahrt nur über Bayern
- Höhe: ca. 1.200 m; Almdorf Eng ca. 1.250 m
- Bäume: über 2.200 Bergahorne, 300 bis 600 Jahre alt; Landschaftsschutzgebiet mit ca. 267 ha
- Mautstraße Hinterriß–Eng: 1. Mai bis 31. Oktober, im Winter gesperrt; Parken mit Maut inklusive
- Bergbus: RVO-Linie 369 ab Lenggries, Juni bis Oktober
- Rad: Mautstraße für Radfahrer kostenlos
- Einkehr: Engalm, Alpengasthof Eng
- Kinderwagen/Rollstuhl: asphaltierter Weg vom Parkplatz zum Almdorf
Warum stehen ausgerechnet hier Tausende uralter Bergahorne?
Weil Bergahorne auf dem feuchten Schuttboden des Talschlusses gut gedeihen – und weil die Geschichte mitgeholfen hat. Eine verbreitete Erklärung: Im Dreißigjährigen Krieg blieb die Beweidung der Almflächen aus, sodass junge Ahorne ungestört aufwachsen konnten. Dazu passen Altersbestimmungen einzelner Bäume. Später ließen die Almbauern die Bäume auf ihren Weiden stehen. Die knorrigen alten Stämme sind heute Lebensraum für zahllose Moose, Flechten und Farne, was den Ahornboden auch botanisch besonders macht.
Viele Bäume sind inzwischen sehr alt, jedes Jahr gehen 10 bis 15 Ahorne verloren. 1966 zählte man noch gut 2.400 Bäume. Weil Weidevieh und Wild den Jungwuchs fressen, verjüngt sich der Bestand kaum von selbst. Deshalb werden seit den 1960er-Jahren junge Ahorne nachgepflanzt und mit Zäunen geschützt; seit 2010 kannst du über den Naturpark sogar eine Baumpatenschaft übernehmen und einen eigenen Bergahorn setzen lassen.
Warum gehört der Ahornboden zu Tirol, obwohl du nur über Bayern hinkommst?
Weil das Rißtal nach Norden nach Bayern offen ist und keine Straße das Karwendel vom Inntal aus quert. Du fährst entweder über Wallgau und die Mautstraße nach Vorderriß oder über Lenggries und den Sylvensteinsee nach Vorderriß. Von dort führt die Straße durchs Rißtal nach Hinterriß, wo die Mautstraße in die Eng beginnt.
Die Mautstraße ist vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnet und führt mitten über den Ahornboden. Mit der Maut ist das Parken an allen Parkplätzen entlang der Straße inklusive; der große Parkplatz am Ende liegt beim Alpengasthof Eng. Radfahrer fahren kostenlos. Die Maut gilt pro Fahrzeug und Tag; aktuelle Preise und Details findest du unter Parken und Maut im Karwendel. Wer über Wallgau anreist, zahlt außerdem die Maut auf der Strecke Wallgau–Vorderriß.
Ohne Auto nimmst du von Juni bis Oktober den Bergbus (RVO-Linie 369) vom Bahnhof Lenggries über Vorderriß und Hinterriß bis zum Gasthaus Eng. Er hält unterwegs auch an den Einstiegen ins Johannestal und Laliderertal. Mehr unter Wanderbus nach Hinterriß und in die Eng.
Was erwartet dich im Almdorf Eng?
Rund ein Dutzend Almhütten rund um eine Schaukäserei, in der jährlich etwa 1.600 Käselaibe entstehen, darunter der „Enger Ahornkönig“. Durch große Fenster schaust du den Sennern zu, im Bauernladen kaufst du den Käse. Im Sommer weiden hier rund 500 Rinder, davon etwa 200 Milchkühe. In der Engalm kehrst du ein; vom Parkplatz sind es rund 15 Minuten auf einem asphaltierten Weg.
Welche Wanderung lohnt sich am Großen Ahornboden wirklich?
Für Genießer der Weg vom unteren Ende des Ahornbodens zwischen den Bäumen bis zum Almdorf. Den besten Blick von oben bekommst du auf der Wanderung zur Binsalm mit ihrer kleinen Kapelle aus Karwendelsteinen oder hinauf zur Lamsenjochhütte. Bergsteiger starten hier zur Falkenhütte und ins Laliderertal. Alle Touren rund um den Talboden beschreibe ich bei der Ahornboden-Wanderung.
Kleiner Ahornboden – wie kommst du zum stillen Bruder?
Nur zu Fuß oder mit dem Mountainbike durch das Johannestal. Vom Einstieg im Rißtal sind es rund 13 Kilometer hin und zurück mit gut 450 Höhenmetern. Der Kleine Ahornboden liegt auf rund 1.400 Metern unter der Birkkarspitze, dem höchsten Gipfel des Karwendels. Ein Denkmal erinnert an Hermann von Barth, den Erschließer des Gebirges, der 1870 die Birkkarspitze als Erster bestieg. Hier ist es viel ruhiger als in der Eng.
Wann leuchtet der Ahornboden am schönsten golden?
Meist in der ersten Oktoberhälfte, je nach Witterung auch Ende September. Dann ist allerdings auch der Andrang am größten. Im Frühsommer, wenn die Bäume frisch austreiben und Blumen auf den Wiesen blühen, ist es deutlich ruhiger. Im Winter liegt das Almdorf im Winterschlaf; nur Langläufer und Skitourengeher kommen dann auf eigene Faust hierher.
Was solltest du vor dem Besuch wissen? Meine Tipps & Tricks für den Ahornboden
- Herbst unter der Woche: An Oktoberwochenenden staut es sich auf der Mautstraße.
- Früh oder spät fotografieren: Morgens und am späten Nachmittag fällt das Licht seitlich durch die Bäume.
- Nicht nur am Parkplatz bleiben: Die schönsten alten Ahorne stehen im unteren Teil des Bodens, abseits der Hütten.
- Mit dem Rad ab Hinterriß: Die Mautstraße ist für Räder frei – so erlebst du den Ahornboden ganz ohne Stau.
- Käse am Nachmittag kaufen: Dann ist im Bauernladen meist weniger los als mittags.
- Naturparkhaus mitnehmen: Das Naturparkhaus Hinterriß liegt direkt an der Anfahrt.
Ist der Ahornboden etwas für Familien, Hunde und Rollstuhlfahrer?
Ja. Der asphaltierte Weg vom Parkplatz ins Almdorf ist für Kinderwagen und Rollstuhl geeignet. An der Engalm gibt es einen Spielplatz, Kinder lieben die Kühe und die Käserei. Hunde sind an der Leine willkommen – auf den Weiden stehen Mutterkühe.
Häufige Fragen zum Großen Ahornboden
Wie alt sind die Bäume am Großen Ahornboden?
Viele Bergahorne sind 300 bis 600 Jahre alt.
Wann ist die Mautstraße in die Eng geöffnet?
Vom 1. Mai bis 31. Oktober. Von November bis Ende April ist sie gesperrt.
Wie lange braucht man von München zum Ahornboden?
Mit dem Auto je nach Route rund zwei Stunden, mit Bahn und Bergbus etwa zweieinhalb bis drei Stunden.
Mein Fazit
Der Große Ahornboden ist das Bild, das viele vom Karwendel im Kopf haben – und er hält, was er verspricht. Wer ihn im goldenen Oktober unter der Woche erlebt und danach noch zum stillen Kleinen Ahornboden wandert, sieht das Karwendel von seiner schönsten Seite.
Weiterführende Links
–> Karwendelloipe Hinterriß–Ahornboden
–> Laliderertal
–> Isarursprung
