Leutasch ist kein Dorf im üblichen Sinn, sondern ein rund 16 Kilometer langes Hochtal auf etwa 1.136 Metern. Es zieht sich von der Hohen Munde nach Nordosten bis zur Leutaschklamm an der bayerischen Grenze bei Mittenwald. Rund 2.500 Menschen leben hier, verteilt auf zwei Dutzend Weiler – der Hauptort heißt Weidach. Im Norden steht das Wettersteingebirge, im Osten grüßt das Karwendel.
Lange hatte ich nur von der Leutasch gehört, bevor ich endlich selbst hinkam. Seitdem war ich oft da, auch mit der Familie. Was mich hier hält, ist die Ruhe: Durchgangsverkehr gibt es kaum, dafür Wiesen, Bauernhöfe mit Lüftlmalerei und die türkisgrüne Leutascher Ache, an der ich stundenlang sitzen könnte.
Darum geht es auf dieser Seite
- Leutasch auf einen Blick
- Ganghofer, Holzknechte und die Hirnrinne
- Gaistal – das Tal der Almen
- Leutascher Geisterklamm
- Leutasch im Winter
- Meine Tipps & Tricks
- Häufige Fragen
Wissenswertes zu Leutasch auf einen Blick
- Lage: Hochtal zwischen Wetterstein, Mieminger Kette und Karwendel, Region Seefeld
- Höhe: ca. 1.130–1.136 m, rund 16 km lang
- Einwohner: ca. 2.500 in zwei Dutzend Weilern, Hauptort Weidach
- Highlights: Gaistal, Geisterklamm, Ganghofermuseum, Puittal
- Bergbahn: Katzenkopf mit Sessellift
- Winter: sehr schneesicher, Teil des Loipennetzes der Region Seefeld, Ganghoferlauf
- Anreise: Bus ab Bahnhof Seefeld, Straßen von Seefeld, Mittenwald und Telfs
Was verbindet Ludwig Ganghofer mit der Leutasch?
Der bayerische Schriftsteller Ludwig Ganghofer pachtete 1896 die Jagd im Gaistal und baute sich dort sein Jagdhaus Hubertus. Romane wie „Das Schweigen im Walde“ und „Der Edelweißkönig“ gehen auf seine Zeit in der Leutasch zurück – und sie machten das Tal weit über Tirol hinaus bekannt. Im ehemaligen Schulhaus von 1950 erzählt heute das Ganghofermuseum von seinem Leben, von der Jagd und von der Dorfgeschichte.
Diese Geschichte reicht bis 1166 zurück, als der Bach „Liutaske“ erstmals erwähnt wurde. 1190 weihte man in Oberleutasch die erste Kirche St. Magdalena. Jahrhundertelang war das Tal die Holzkammer für Innsbruck und Hall. Ein Kuriosum ist die Hirnrinne: Zwischen 1690 und 1738 bauten die Brüder Hirn eine riesige Holzrinne, die Stämme vom Gaistal über Buchen bis zum Inn bei Telfs triften ließ. Anfang des 19. Jahrhunderts arbeiteten jeden Sommer 200 bis 300 Holzknechte im Gaistal. Am 30. Juni 1815 riss ein Unwetter die Rinne fort.
Bei einem Spaziergang durch die Weiler siehst du noch viele Häuser mit Lüftlmalerei. Leutasch hat zwei Pfarrkirchen und insgesamt 18 Kapellen.
Warum nennen die Leutascher das Gaistal „Tal der Almen“?
Weil sich hier zwischen Wettersteingebirge und Mieminger Kette eine Alm an die nächste reiht. Im Gaistal entspringt die Leutascher Ache, die Wiesen sind noch echte Buckelwiesen, und Autos bleiben am Parkplatz. Mit der Familie bin ich über den leichten Ganghoferweg zur Gaistalalm gewandert. Zur Hämmermoosalm sind es vom Parkplatz nur rund 40 Minuten, sogar mit Kinderwagen; oben warten eine große Sonnenterrasse und ein Spielplatz.
Ich mag das Gaistal lieber als die Gegend um die Rauthhütte, weil es hier ruhiger ist. Das ganze Tal stelle ich auf der Seite zum Gaistal vor. Mit dem Rad kommst du bis zum Seebensee – eine meiner schönsten E-Bike-Touren, beschrieben unter Radtour Gaistal.
Mein Geheimtipp ist das Puittal. Das stille Seitental ist nur zu Fuß erreichbar und führt hinauf ins Wetterstein. Hier triffst du an manchen Tagen kaum jemanden.
Wie gruselig ist die Leutascher Geisterklamm?
Nur dem Namen nach: Die Geisterklamm ist eine bis zu 75 Meter tiefe Schlucht der Leutascher Ache mit stählernen Stegen, Infopunkten und Sagen vom Klammgeist. Drei Themenwege führen hindurch: der Klammgeistweg ab Leutasch, der Koboldpfad ab Mittenwald und der kostenpflichtige Wasserfallsteig. Mitten in der Klamm verläuft die Grenze zwischen Tirol und Bayern. Alle Wege, Parkplätze und Zeiten findest du bei der Leutaschklamm.
Für Familien gibt es im Tal außerdem den Katzenkopf mit Sessellift, Disc Golf und Nachtrodeln im Winter sowie das Alpenbad Leutasch mit Hallenbad, Sauna und Felsengrotte – mein Ziel, wenn es regnet.
Lohnt sich Leutasch auch im Winter?
Ja, vielleicht sogar am meisten. Das Tal ist im Süden vor Föhn geschützt und gilt als sehr schneesicher. Die Loipen gehören zum großen Netz der Region Seefeld; meine Lieblingsstrecken stehen unter Loipen in der Leutasch. Jedes Jahr startet hier der Ganghoferlauf, ein Langlaufmarathon der Euroloppet-Serie.
Besonders gut gefällt mir die sonnige Loipe zwischen Kirchplatzl und Unterleutasch – mit einer Pause bei Kaffee und Kuchen in Poli’s Hütte. Einmal bin ich mehrere Tage von Hütte zu Hütte rund um die Leutasch gewandert. Geschlafen habe ich damals auch auf der Wettersteinhütte; die Hütte ist inzwischen allerdings geschlossen.
Wer im Winter hoch hinaus will, steigt zur Rauthhütte am Fuß der Hohen Munde. Die Rodelbahn dorthin ist bekannt, an schönen Wochenenden aber voll.
Meine Tipps & Tricks für Leutasch
- Füße in die Ache: An der Leutascher Ache gibt es viele Rastplätze mit klarem, eiskaltem Wasser.
- E-Bike-Runde: Rund 20 km entlang der Ache, Start und Einkehr bei Poli’s Hütte.
- Kneippanlage am Salzbach: Am Eingang zum Gaistal tun die Waden nach der Almtour gut.
- Hämmermoosalm mit Kindern: kurzer, flacher Weg und Spielplatz.
- Puittal statt Hauptweg: für alle, die Stille suchen.
- Direkt in die Loipe: Viele Unterkünfte liegen am Loipennetz. Ich bin aus dem Hotel direkt losgelaufen und danach in die Sauna.
- Dorfbus nutzen: Er fährt als Ringlinie durch das ganze Tal, ab Seefeld kommen die Linien 430 und 431.
Häufige Fragen zu Leutasch
Wie lang ist das Leutaschtal?
Rund 16 Kilometer, von der Hohen Munde bis zur Leutaschklamm bei Mittenwald.
Gehört Leutasch zu Seefeld?
Leutasch ist eine eigene Gemeinde, gehört touristisch aber zur Region Seefeld.
Wie kommt man ohne Auto nach Leutasch?
Mit der Bahn bis Seefeld und weiter mit dem Bus; im Tal fährt ein Dorfbus.
Wo liegt die Hohe Munde?
Am Südwestende des Tals, sie ist mit 2.662 Metern der markante Hausberg der Leutasch.
Mein Fazit
Die Leutasch ist das ruhige Gegenstück zu Seefeld: weite Wiesen, ein glasklarer Bach und Almen, die du gemütlich erwanderst. Komm im Sommer ins Gaistal und im Winter zum Langlaufen – beides gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen am Rand des Karwendels.
Weiterführende Links
–> Scharnitz
