Winterwandern im Karwendel ist die einfachste Art, das Gebirge im Schnee zu erleben. Du brauchst keine Ski, keine Liftkarte und kein Training – nur gute Schuhe und Lust auf frische Luft. Rund um das Karwendel werden Hunderte Kilometer Wege geräumt oder gewalzt: allein 142 Kilometer in der Region Seefeld und über 150 Kilometer am Achensee.
Ich habe den Winter erst mit den Jahren lieben gelernt. Heute gehören Winterwanderungen für mich zu den schönsten Tagen im Jahr – besonders, wenn ich nach dem Aufstieg auf einer sonnigen Bank sitze und die verschneiten Gipfel vor mir habe. Sogar eine mehrtägige Winterwanderung bin ich schon gegangen.
Darum geht es auf dieser Seite
- Winterwandern im Karwendel auf einen Blick
- Seefeld und Leutasch
- Mittenwald, Krün und Wallgau
- Innsbruck und Hall
- Achensee
- Rißtal und Eng
- Schneeschuhwandern
- Geführte Touren
- Sicher unterwegs im Winter
- Meine Tipps & Tricks
- Häufige Fragen
Wissenswertes zum Winterwandern im Karwendel auf einen Blick
- Region Seefeld: 142 km präparierte Winterwanderwege, rund 35 km Schneeschuhwege, zwei Winterweitwanderwege
- Achensee: über 150 km geräumte Wege, Schneeschuhstarts in Achenkirch, Pertisau und Steinberg
- Alpenwelt Karwendel: Buckelwiesen, Isarstausee, Kranzberg, alle Touren per Gästebus erreichbar
- Innsbruck und Hall: Almen an der Nordkette, Walderalm, St. Magdalena
- Rißtal: Winterweg Hinterriß–Eng, rund 15 km hin und zurück (Hütten geschlossen)
- Ausrüstung: feste Winterschuhe, Grödel bei Eis, Stöcke
Warum ist das Seefelder Plateau ideal zum Winterwandern?
Weil es hier das größte Netz an präparierten Wegen am Karwendel gibt – und gleich zwei Weitwanderwege. Der 1. Winterweitwanderweg Tirols führt seit dem Winter 2018/19 in vier Etappen und rund 53 Kilometern durch die Leutasch, von Unterkunft zu Unterkunft und mit Gepäcktransport. Seit 2024 gibt es zusätzlich die Seefelder Hochplateau Winterweitwanderung: fünf Tage und rund 65 Kilometer, sternförmig von einer festen Unterkunft in Seefeld aus.
Für einen Tagesausflug empfehle ich die Wanderung vom Seekirchl zur Wildmoosalm (rund 6,5 km), die Runde zur Katzenkopfhütte in Leutasch (gut 5 km) oder den Weg zur Seewaldalm. Die Rauthhütte unter der Hohen Munde ist anspruchsvoller – dort teilst du den Weg mit Rodlern. Wer mehrere Tage bleibt, findet Inspiration bei Langlaufen in Seefeld und im Porträt von Leutasch.
Welche Winterwanderungen lohnen sich in Mittenwald, Krün und Wallgau?
Die Buckelwiesen zwischen Mittenwald und Krün sind mein Klassiker: rund 6,7 Kilometer, kaum 110 Höhenmeter, und die ganze Zeit Karwendel, Wetterstein und Estergebirge im Blick. Ebenso leicht ist die Runde um den Isarstausee bei Krün mit 4,5 Kilometern. Wer sportlicher unterwegs ist, steigt auf den Hohen Kranzberg (7,5 km, 450 Höhenmeter) oder zur Ederkanzel.
In Krün verbindet die 3-Seen-Runde Barmsee, Geroldsee und Grubsee. Alle Touren erreichst du mit dem Ski- und Gästebus, der mit Gästekarte kostenlos ist. Die Sommervariante beschreibe ich bei den Buckelwiesen zwischen Wallgau und Mittenwald.
Wohin wanderst du im Winter bei Innsbruck und Hall?
Zu den Almen an den Südhängen des Karwendels. Von Rum führt der Weg zur Rumer Alm (1.243 m), oberhalb von Gnadenwald zur Walderalm (1.511 m) – für mich eine der schönsten Wintertouren der Region, auch als Schneeschuhwanderung mit rund 660 Höhenmetern. Gerade wenn es stürmt, ist der Weg nach Gnadenwald angenehm zu gehen.
Im Halltal wanderst du rund 500 Höhenmeter hinauf zum ehemaligen Kloster St. Magdalena – anstrengender, als es klingt. Und wer den Winter mit Aussicht ohne Aufstieg will, fährt mit der Nordkettenbahn zur Seegrube auf rund 1.900 Meter.
Welche Winterwege gibt es am Achensee?
Über 150 Kilometer geräumte Wege führen durch Dörfer, Wälder und hinein in die Karwendeltäler. Ab dem Parkplatz Karwendeltäler in Pertisau gibt es eine leichte Runde von 3,6 Kilometern, die Winterwanderung bis zur Gramai Alm misst rund 14 Kilometer. Am Zwölferkopf führt ein Panorama-Winterrundweg in rund eineinhalb Stunden mit Blick auf See, Karwendel und Rofan.
Mehr über die Region steht im Porträt vom Achensee.
Kann man im Winter in die Eng wandern?
Ja – und es ist ein besonderes Erlebnis. Weil die Mautstraße im Winter gesperrt ist, wird der Weg von Hinterriß in die Eng zum Winterwanderweg. Bis zum Almdorf sind es rund 7,6 Kilometer, hin und zurück etwa 15 Kilometer mit rund 250 Höhenmetern. Alle Hütten sind im Winter geschlossen, nimm also Proviant mit. Langläufer nutzen die parallele Spur – mehr bei der Karwendelloipe Hinterriß.
Eine meiner liebsten Schneeschuhtouren führt von Hinterriß ins Rontal – kürzer als die Tour durchs ganze Rißtal und mittags herrlich sonnig.
Wo kannst du im Karwendel schneeschuhwandern?
Überall dort, wo Wege nicht geräumt sind – aber am besten auf ausgeschilderten Routen. Bewährte Touren:
- Gschwandtkopf-Runde Seefeld: 6,7 km, 392 hm, ab Wildsee
- Pertisau – Falzthurnalm – Gramai Alm: rund 490 hm, durch das Falzthurntal
- Feilalm und Feilkopf bei Pertisau: 11,5 km, 610 hm
- Walderalm von Gnadenwald: 9 km, 660 hm
- Rontal bei Hinterriß: sonnig, ruhig, im Herzen des Karwendels
- Brunschkopf – Wildmoosalm bei Seefeld: kombinierte Schnee- und Winterwanderung
Wer noch nie auf Schneeschuhen unterwegs war, bucht am besten eine geführte Tour. In Seefeld und am Achensee gehören geführte Winter- und Schneeschuhwanderungen zum Winterprogramm, in der Alpenwelt Karwendel bieten Schneesportschulen Touren an.
Wo kannst du dich einer geführten Winterwanderung anschließen?
Am einfachsten über das Wochenprogramm der Region Seefeld. Im Winter 2025/26 gab es dort zum Beispiel jeden Montag die geführte Winterwanderung „Den Wildtieren auf der Spur“ in der Leutasch: Start um 9.45 Uhr am Parkplatz Fußballplatz (P21) in Weidach, rund drei Stunden, 16 € für Erwachsene und 9 € für Kinder mit Gästekarte, ohne Gästekarte 26 € bzw. 16 €. Eine weitere Winterwanderung ab dem Parkplatz Rödlach in Moos war mit Gästekarte sogar kostenlos. Wer es ungewöhnlich mag, geht dienstags in Scharnitz zum geführten Eisbaden an der Isar (26 €, nur mit Gästekarte, höchstens sechs Personen). Das Programm für 2026/27 erscheint jeweils zum Winterstart, die Anmeldung läuft über die Unterkunft, die Infobüros oder den Onlineshop.
Für Schneeschuh-Einsteiger bieten Bergwanderführer in Seefeld und Leutasch eigene Touren an, meist mit Leihschneeschuhen und Stöcken. Am Achensee gibt es ein mehrtägiges Schneeschuhcamp mit Bergführern, zuletzt ab 375 € pro Person. Wer selbst losgeht, leiht Schneeschuhe zum Beispiel bei der Skischule Leutasch im Langlaufzentrum oder in den Sportgeschäften der Orte.
Wie bist du im Winter sicher unterwegs?
Bleib auf geräumten oder markierten Wegen. Abseits davon gilt Lawinengefahr, sobald du steile Hänge quert oder unter ihnen gehst – auch auf Schneeschuhen. Den aktuellen Lawinenbericht für Tirol findest du im Euregio-Lawinenreport, für Bayern beim Lawinenwarndienst Bayern. Mehr zu Lawinen und Ausrüstung steht bei den Skitouren im Karwendel.
Die Tage sind kurz: Plane so, dass du vor der Dämmerung zurück bist. Grödel oder Spikes helfen auf vereisten Wegen, Stöcke geben Halt beim Abstieg. Und respektiere die Ruhe der Wildtiere – Futterstellen und Waldränder sind im Winter tabu.
Meine Tipps & Tricks fürs Winterwandern im Karwendel
- Hüttenzeiten prüfen: Viele Almen haben im Winter Ruhetage oder sind ganz geschlossen.
- Sonnenseite wählen: Rumer Alm, Walderalm und die Leutasch bekommen viel Sonne.
- Grödel einpacken: Auf gewalzten Wegen wird es nach Tauwetter schnell eisig.
- Bus nutzen: Mit den Gästekarten in Seefeld, am Achensee und in der Alpenwelt Karwendel kommst du kostenlos zum Start.
- Mehrtägig wandern: Der Winterweitwanderweg in der Leutasch ist ein Erlebnis, das ich jedem empfehle.
- Thermoskanne mit: Im Rißtal gibt es im Winter keine Einkehr.
Häufige Fragen zum Winterwandern im Karwendel
Wo gibt es die meisten Winterwanderwege?
In der Region Seefeld mit 142 präparierten Kilometern und am Achensee mit über 150 Kilometern.
Gibt es einen Winterweitwanderweg im Karwendel?
Ja, zwei in der Region Seefeld: den 1. Winterweitwanderweg Tirols mit vier Etappen und die fünftägige Seefelder Hochplateau Winterweitwanderung.
Brauche ich für Winterwanderungen Schneeschuhe?
Auf geräumten Wegen nicht. Schneeschuhe brauchst du nur abseits der präparierten Wege.
Mein Fazit
Winterwandern ist für mich der unterschätzte Wintersport am Karwendel: still, günstig und für jeden machbar. Ob Buckelwiesen, Wildmoos, Walderalm oder der Weg in die verschneite Eng – du siehst das Gebirge von einer ganz anderen Seite, und die Sonnenbank vor der Hütte wird zum schönsten Platz des Tages.
