Lamsenspitze: Normalweg, Brudertunnel und Lamsenjochhütte

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Wenn du im östlichen Karwendel nach einem Gipfel suchst, der sofort ins Auge fällt, landest du bei der Lamsenspitze. Die markante Felspyramide ragt mit 2.508 Metern über dem Lamsenjoch auf, zwischen der Eng, dem Falzthurntal und dem Stallental. Direkt zu ihren Füßen steht die Lamsenjochhütte – ein Bild, das auf unzähligen Karwendel-Fotos zu sehen ist.

Für mich war die Bergtour auf die Lamsenspitze ein echtes Abenteuer. Du hast die Wahl zwischen dem anspruchsvollen Normalweg über die Lamsscharte und dem Klettersteig durch den berühmten Brudertunnel, ein natürliches Felsloch in der Wand. Oben belohnt dich ein Rundblick über das halbe Karwendel bis zum Kaisergebirge.

Darum geht es auf dieser Seite

Wissenswertes zur Lamsenspitze auf einen Blick

  • Höhe: 2.508 m
  • Lage: östliches Karwendel, über dem Lamsenjoch (Gemeinde Vomp, Tirol)
  • Schwierigkeit: Normalweg mit Gipfelklettersteig A/B bis B; Brudertunnel B/C bis C
  • Ausgangspunkte: Parkplatz Gramaialm (1.263 m), Eng, Stallental
  • Ab Gramaialm: ca. 1.250 Höhenmeter, rund 6–6,5 h gesamt
  • Stützpunkt: Lamsenjochhütte (1.953 m), DAV Sektion Oberland, ca. Mitte Juni bis Mitte Oktober
  • Erstbesteigung: 1843 durch den Geologen Markus Vinzenz Lipold
  • Ausrüstung: Helm Pflicht, für den Brudertunnel komplettes Klettersteigset

Wie schwer ist die Lamsenspitze?

Die Lamsenspitze ist eine schwere Bergtour mit Klettersteigcharakter. Bis zur Lamsscharte bist du auf einem steilen, schuttigen Bergweg unterwegs, danach führt ein drahtseilgesicherter Steig der Stufe A/B bis B zum Gipfel. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind auf beiden Wegen absolute Voraussetzung. Typisch Karwendel ist der lose, kleinsplittrige Kalk, der an manchen Stellen ordentlich rutscht. Der Brudertunnel ist mit B/C bis C etwas schwieriger und erfordert ein komplettes Klettersteigset.

Wie kommst du zur Lamsenjochhütte?

Bis zur Lamsenjochhütte gibt es drei klassische Zustiege. Welchen du wählst, hängt davon ab, von wo du anreist:

Von der Gramaialm (Achensee)

Der kürzeste Weg: Von Pertisau fährst du durch das Falzthurntal bis zum Parkplatz bei der Gramai Alm auf 1.263 Metern. Von hier sind es rund 700 Höhenmeter und etwa 1:45 bis 2 Stunden bis zur Hütte. Der Weg ist gut markiert und wird kurz vor der Hütte steiler und enger.

Von der Eng über die Binsalm

Mein Lieblingszustieg: Vom letzten Parkplatz in der Eng wanderst du hinauf zur Binsalm und weiter über das Lamsenjoch zur Hütte. Unterwegs zeigen sich die kahlen Felswände des Hochnissl und der Nachbarberge – ein Eldorado für Gämsen. Wer diesen Weg wählt, kann nach der Tour noch in der Engalm einkehren.

Aus dem Inntal durch das Stallental

Von Stans bzw. Vomp führt der lange Weg durch das Stallental hinauf. Theoretisch kannst du ein gutes Stück mit dem Bike fahren, mühsam ist es trotzdem. Dieser Zustieg lohnt sich vor allem, wenn du von Schwaz aus startest. Ausführlich beschrieben findest du die Zustiege bei der Hüttenwanderung zur Lamsenjochhütte.

Wie verläuft der Normalweg auf die Lamsenspitze?

Den Wegweiser findest du direkt an der Hütte. Zunächst geht es auf einem einfachen Steig oberhalb der Hütte nach rechts, dann über steile Schotterfelder unter der Ostwand hinauf. Der Weg führt auf der Südseite durch den Schutt um die Lamsenspitze herum bis zur Lamsscharte. Kurz unterhalb tauchen die ersten Sicherungen auf, rund 20 Gehminuten weiter liegt der Einstieg zum Gipfelklettersteig auf etwa 2.200 Metern.

Ab hier heißt es: Helm auf! Der versicherte Steig überwindet rund 330 Höhenmeter mit Passagen bis B und bringt dich in etwa 30 bis 60 Minuten zum Gipfelkreuz. Weil hier sehr viele Bergsteiger unterwegs sind, musst du mit Steinschlag von oben rechnen. Von der Hütte bis zum Gipfel brauchst du etwa 2 Stunden. Abgestiegen wird auf dem gleichen Weg bis zur Lamsscharte und dann auf dem Normalweg zurück zur Hütte.

Lohnt sich der Brudertunnel?

Ja – wenn du klettersteigerfahren bist. Wenige hundert Meter hinter der Hütte zweigt der Weg zum Brudertunnel nach links ab, nach etwa 15 Minuten stehst du am Einstieg auf rund 2.050 Metern. Der gut ausgebaute Steig führt durch die senkrechte Verbindungswand zwischen Hochnissl und Lamsenspitze und durch ein Felsloch, das dem Klettersteig seinen Namen gibt. Die Schlüsselstelle (C) kommt kurz vor dem Ausstieg. Danach hältst du dich rechts und triffst nach einer guten Viertelstunde an der Lamsscharte auf den Normalweg. Mehr Details findest du beim Lamsenspitze-Klettersteig.

Was siehst du vom Gipfel der Lamsenspitze?

Der Gipfel ist klein, die Aussicht dafür umso größer. Im Norden siehst du das Sonnjoch und hinunter ins Falzthurntal, im Osten das Kaisergebirge, im Westen reiht sich Gipfel an Gipfel bis tief ins Karwendel. Unter dir liegen das Lamsenjoch mit der Hütte und das wilde Vomper Loch.

Was solltest du über die Lamsenjochhütte wissen?

Die Lamsenjochhütte auf 1.953 Metern gehört der DAV-Sektion Oberland und ist meist von Mitte Juni bis Mitte Oktober geöffnet. Ihre Geschichte ist bewegt: 1906 eröffnet, wurde sie schon 1908 von einer Lawine zerstört und an einem geschützteren Platz neu gebaut; die zweite Einweihung fand im Juni 1909 statt. 1911 bekam sie als eine der ersten Hütten einen Winterraum. Heute ist sie mit dem Umweltgütesiegel ausgezeichnet. Die Hütte ist Etappenziel des Adlerwegs, Übergänge führen zur Falkenhütte (ca. 4 Stunden) und zum Hallerangerhaus. Neben der Hütte steht eine kleine Kapelle, in der ab und zu Bergmessen gefeiert werden.

Wann ist die beste Zeit für die Lamsenspitze?

Von Juli bis Anfang Oktober, wenn die Schuttrinnen schneefrei sind. Der August ist ideal für die Tour – allerdings auch die Zeit mit dem größten Andrang. An schönen Wochenenden musst du dich im Klettersteig regelrecht anstellen. Im Herbst lohnt ein Blick in den Kalender: Jedes Jahr zieht ein spektakulärer Almabtrieb über das Lamsenjoch hinunter ins Inntal.

Was solltest du vor der Tour wissen? Meine Tipps & Tricks für die Lamsenspitze

  1. Unter der Woche gehen: Am Wochenende staut es sich im Gipfelklettersteig – und mehr Leute bedeuten mehr Steinschlag.
  2. Früh starten: Wer zeitig an der Lamsscharte ist, hat den Steig fast für sich allein.
  3. Helm immer tragen: Auch auf dem Normalweg, denn über dir sind fast immer andere Bergsteiger unterwegs.
  4. Gesperrte Wege beachten: Wege Richtung Vomper Loch und Hochnissl sind wegen Felssturzgefahr teils gesperrt – das ist ernst gemeint.
  5. Übernachten: Mit einer Nacht auf der Lamsenjochhütte gehst du am Morgen entspannt los und erlebst die Felswand im Abendlicht.
  6. Kombinieren: Aufstieg durch den Brudertunnel, Abstieg über den Normalweg – so lernst du beide Seiten kennen.

Für wen eignet sich die Lamsenspitze?

Für trittsichere, schwindelfreie Bergsteiger mit etwas Klettersteigerfahrung. Für Kinder ist die Tour nur mit viel alpiner Erfahrung und Sicherung geeignet, Hunde lässt du besser an der Hütte. Wer den Gipfel nicht braucht, hat schon mit der Hüttenwanderung einen grandiosen Tag. Ein schöner nächster Schritt ist der Große Bettelwurf, den du vom Gipfel aus im Südwesten siehst.

Häufige Fragen zur Lamsenspitze

Wie hoch ist die Lamsenspitze?

Die Lamsenspitze ist 2.508 Meter hoch.

Braucht man für die Lamsenspitze ein Klettersteigset?

Für den Brudertunnel unbedingt. Auch am Gipfelklettersteig des Normalwegs (A/B bis B) empfehle ich Helm und Set, weil viele Leute unterwegs sind und Steinschlag droht.

Wie lange dauert die Tour auf die Lamsenspitze?

Ab Gramaialm rund 3:45 Stunden im Aufstieg und knapp 3 Stunden im Abstieg. Ab der Lamsenjochhütte sind es etwa 2 Stunden zum Gipfel.

Wer hat die Lamsenspitze erstbestiegen?

Die erste offizielle Besteigung gelang 1843 dem Geologen und Alpinisten Markus Vinzenz Lipold.

Mein Fazit

Die Lamsenspitze ist einer der schönsten Gipfel im östlichen Karwendel: eine perfekte Felspyramide, eine der bekanntesten Hütten der Ostalpen zu ihren Füßen und mit dem Brudertunnel ein Klettersteig mit echtem Aha-Effekt. Geh unter der Woche, setz den Helm auf und gönn dir danach einen Kaiserschmarrn auf der Hütte.

Weiterführende Links

–> Alle Berge im Karwendel

Aktuelle Infos: Lamsenjochhütte (DAV Oberland) · Achensee Tourismus

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