Die Birkkarspitze ist mit 2.749 Metern der höchste Gipfel des Karwendel. Sie steht in der Hinterautal-Vomper-Kette, der längsten und höchsten der vier Karwendelketten, gleich neben den drei fast gleich hohen Ödkarspitzen. Mit einer Schartenhöhe von rund 1.560 Metern zählt sie zu den „Ultras“ der Alpen – Bergen, die sich besonders markant über ihre Umgebung erheben.
Geschenkt bekommst du diesen Gipfel nicht. Alle Wege beginnen mit einem langen Zustieg durch die Täler, oben wartet steiles Geröll und eine kurze, drahtseilgesicherte Kraxelei. Ich habe die Birkkarspitze als Bike & Hike ab Scharnitz gemacht: mit dem Rad durchs Karwendeltal bis zum Karwendelhaus und von dort zu Fuß durchs Schlauchkar. Über Nacht bin ich bewusst nicht geblieben, weil das Karwendelhaus im Sommer sehr gefragt ist. Belohnt wurden wir unterwegs mit Gämsen im Kar und oben mit einem Rundblick, wie ihn nur der höchste Punkt eines Gebirges bietet.
Darum geht es auf dieser Seite
- Wie schwer ist die Birkkarspitze?
- Normalweg übers Karwendelhaus
- Andere Routen
- Karwendelhaus und Biwak
- Hermann von Barth und die Erstbesteigung
- Meine Tipps & Tricks
- Häufige Fragen
Wissenswertes zur Birkkarspitze auf einen Blick
- Höhe: 2.749 m, höchster Gipfel des Karwendels
- Gebirgskette: Hinterautal-Vomper-Kette (Karwendel-Hauptkette), Tirol
- Schwierigkeit: schwere Bergwanderung (T4), kurze seilversicherte Kletterstellen am Gipfelgrat
- Normalweg: Karwendelhaus – Schlauchkar – Schlauchkarsattel (2.639 m) – Gipfel
- Ab Karwendelhaus: rund 1.000 Höhenmeter, ca. 2,5–3 h Aufstieg
- Ab Scharnitz: ca. 18 km bis zum Karwendelhaus, als Tagestour nur mit Bike & Hike sinnvoll
- Stützpunkt: Karwendelhaus (ca. 1.770 m), bewirtschaftet etwa Juni bis Anfang Oktober
- Notunterkunft: Birkkarhütte am Schlauchkarsattel (Biwak, nur Wetterschutz)
- Beste Zeit: Juli bis September; im Frühsommer Altschnee im Schlauchkar
- Erstbesteigung: 6. Juli 1870 durch Hermann von Barth
Wie schwer ist der Aufstieg auf die Birkkarspitze wirklich?
Technisch ist sie eine schwere Bergwanderung, konditionell eine echte Bergtour. Die Wegfindung ist dank guter Markierung einfach. Schwierig sind drei Dinge: die enorme Länge der Zustiege, das grobe, rutschige Geröll im Schlauchkar und der letzte Gipfelaufbau. Dort führt ein drahtseilgesicherter Steig über den Westgrat in rund 15 bis 20 Minuten vom Sattel zum Gipfelkreuz – einfache Kraxelei, aber mit Tiefblick.
Unterschätzt wird oft der Abstieg. Vom Gipfel bis zum unteren Ende des Schlauchkars brauchst du volle Konzentration, denn der Schotter rollt unter den Sohlen. Bei Vereisung oder Altschnee kann die steile Passage unter dem Schlauchkarsattel heikel werden. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Kondition sind deshalb Pflicht; für Einsteiger ist die Birkkarspitze nicht geeignet.
Wie verläuft der Normalweg über das Karwendelhaus?
Wie kommst du zum Karwendelhaus?
Von Scharnitz folgst du dem breiten Fahrweg durch das Karwendeltal, vorbei an der Larchetalm, bis zum Karwendelhaus am Hochalmsattel. Das sind rund 18 Kilometer und gut 800 Höhenmeter: zu Fuß etwa 4,5 bis 5 Stunden, mit dem Mountainbike rund 2,5 Stunden. Die Forststraße ist als Biketour Nr. 595 ausgeschildert, die letzten Serpentinen zur Hütte sind steil. Gestartet wird am gebührenpflichtigen Karwendelparkplatz beim Naturpark-Infozentrum in Scharnitz.
Schöner, aber ebenfalls lang ist der Zustieg von Hinterriß durch das Johannestal über den Kleinen Ahornboden. Unterwegs kommst du am Denkmal für Hermann von Barth vorbei, und vom Kleinen Ahornboden siehst du die Birkkarspitze bereits über dir. Bis zum Karwendelhaus brauchst du zu Fuß rund 3,5 bis 4 Stunden; die Route mit Wanderung bis zum Gipfel misst hin und zurück etwa 28 Kilometer und rund 1.800 Höhenmeter.
Wie geht es vom Karwendelhaus durchs Schlauchkar zum Gipfel?
Direkt neben der Hütte zeigen die Schilder „Birkkarspitze“ und „Schlauchkar“ den Weg. Zuerst geht es steil zwischen den Lawinenverbauungen hinauf; hier helfen Drahtseile. Danach wird der Steig gemütlicher und zieht in das weite Schlauchkar. Über grobes Geröll steigst du in immer steileren Serpentinen zum Schlauchkarsattel auf 2.639 Metern, der Einsattelung zwischen Östlicher Ödkarspitze und Birkkarspitze. Bis hierher brauchst du gut zwei Stunden.
Am Sattel steht die kleine Birkkarhütte, ein Notbiwak. Von dort führt der versicherte Birkkarsteig über den Westgrat in einfacher Kraxelei zum Gipfelkreuz. Abgestiegen wird auf demselben Weg. Für den reinen Gipfelanstieg ab Karwendelhaus solltest du 2,5 bis 3 Stunden einplanen, für den Abstieg rund zwei Stunden.
Welche anderen Routen führen auf die Birkkarspitze?
Über das Hinterautal und das Birkkar
Von Süden führt ein Weg aus dem Hinterautal durch das Birkkar hinauf. Kurz hinter dem Isarursprung zweigt er ab. Dieser Zustieg gilt als der anspruchsvollste; im oberen Teil ist in den Übergangszeiten mit Eis zu rechnen. Die Strecke durchs Hinterautal kannst du mit dem Rad oder mit dem Wandertaxi bis zur Kastenalm abkürzen.
Überschreitung der Ödkarspitzen über den Brendelsteig
Für erfahrene Bergsteiger ist die Überschreitung der Ödkarspitzen mit der Birkkarspitze einer der großen Klassiker der Nördlichen Kalkalpen. Vom Karwendelhaus geht es über den Brendelsteig auf die Westliche Ödkarspitze, dann über die Mittlere und Östliche zum Schlauchkarsattel und von dort zur Birkkarspitze. Der rot markierte Weg ist teils mit Drahtseilen gesichert, geröllreich und anspruchsvoll; rechne mit rund 8 bis 8,5 Stunden.
Als Übergang zum Hallerangerhaus
Wer das Karwendel durchquert, kann die Birkkarspitze auf dem Weg vom Karwendelhaus zum Hallerangerhaus mitnehmen. Dieser Übergang ist eine Königsetappe: rund 14 Kilometer, gut 1.400 Höhenmeter im Aufstieg und 8 bis 8,5 Stunden Gehzeit. Starte früh am Morgen und teile deine Kräfte gut ein.
Was siehst du vom Gipfel der Birkkarspitze?
Den ganzen Karwendel-Kosmos. Im Westen reihen sich Ödkarspitzen, Marxenkarspitze und Große Seekarspitze aneinander, im Süden schaust du über das Hinterautal auf die Gleirsch-Halltal-Kette, im Norden auf die Nördliche Karwendelkette mit den Karwendelspitzen über Mittenwald. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu den Zentralalpen. Viele Bergsteiger sagen: Der Aufstieg ist eintönig, aber die Aussicht entschädigt für alles.
Wo übernachtest du für die Birkkarspitze?
Im Karwendelhaus der DAV-Sektion Männer-Turnverein München. Die Hütte steht seit 1908 am Hochalmsattel und ist mit rund 50 Betten und 140 Lagerplätzen eine der größten im Karwendel. Bewirtschaftet ist sie etwa von Anfang Juni bis Anfang Oktober; reservieren kannst du online. Mountainbiker freuen sich über einen Reparaturraum und eine Luftpumpe. Im Winter steht ein Winterraum mit rund 25 Schlafplätzen offen. Alles Weitere zum Hüttenzustieg liest du bei der Hüttenwanderung zum Karwendelhaus.
Die Birkkarhütte am Schlauchkarsattel ist dagegen nur ein Notunterstand: ohne Betten und Decken, gedacht als Wetterschutz bei Gewitter oder Erschöpfung. Plane nicht damit.
Wann ist die beste Zeit für die Birkkarspitze?
Von Juli bis September. Im Juni liegen im Schlauchkar und unter dem Sattel oft noch steile Altschneefelder, ab Oktober kann es oben vereist sein. Wer den Sonnenaufgang am Gipfel erleben möchte, übernachtet im Karwendelhaus und startet sehr früh – oben bist du dann oft ganz allein. Wegen der Länge und der Höhe gilt: Bei Gewitterneigung früh los und rechtzeitig umkehren.
Wer hat die Birkkarspitze zuerst bestiegen?
Hermann von Barth, am 6. Juli 1870. Der junge Jurist aus Bayern, später „Erschließer des Karwendels“ genannt, stand im selben Sommer im Alleingang auf insgesamt 88 Karwendelgipfeln. Am selben Tag wie die Birkkarspitze bestieg er weitere Gipfel der Hinterautaler Kette und gab einigen davon ihre Namen. Seine Erlebnisse schrieb er in „Aus den Nördlichen Kalkalpen“ nieder. Barth starb 1876 mit nur 31 Jahren. Die Barthspitze in derselben Kette und ein Denkmal am Kleinen Ahornboden erinnern an ihn. Mehr über die Ketten erfährst du unter Gebirgsketten im Karwendel.
Was solltest du vor der Tour wissen? Meine Tipps & Tricks für die Birkkarspitze
- Bike & Hike für Tagestouren: Mit dem Rad bis zum Karwendelhaus sparst du dir zweimal 18 Kilometer Forststraße. Abwärts geht es mit dem Rad in einer Stunde zurück nach Scharnitz.
- Johannestal für die schönere Landschaft: Der Zustieg von Hinterriß über den Kleinen Ahornboden ist abwechslungsreicher als der lange Hatscher durchs Karwendeltal.
- Unter der Woche übernachten: Am Wochenende ist das Karwendelhaus schnell voll. Unter der Woche ist es deutlich ruhiger.
- Helm einpacken: Im Schlauchkar und am Gipfelgrat lösen andere Bergsteiger leicht Steine.
- Stöcke für den Abstieg: Im Geröll schonen sie die Knie und geben Halt.
- Genug Wasser: Zwischen Karwendelhaus und Gipfel gibt es keine Quelle.
- Einkehr danach: Auf dem Karwendelhaus lohnen Knödel oder Kaiserschmarrn.
Für wen eignet sich die Birkkarspitze?
Für ausdauernde, trittsichere und schwindelfreie Bergwanderer mit Erfahrung im Geröll. Jugendliche mit Bergerfahrung schaffen die Tour mit Übernachtung, für Kinder ist sie zu lang und zu steil. Hunde haben im groben Schotter und am versicherten Gipfelgrat nichts verloren. Wer den höchsten Karwendelgipfel noch nicht packt, findet bei den Karwendel Bergen leichtere Alternativen.
Häufige Fragen zur Birkkarspitze
Wie hoch ist die Birkkarspitze?
2.749 Meter. Sie ist damit der höchste Berg im Karwendel, knapp vor den Ödkarspitzen.
Kann man die Birkkarspitze an einem Tag besteigen?
Ja, aber praktisch nur als Bike & Hike: mit dem Rad von Scharnitz zum Karwendelhaus und zu Fuß weiter. Zu Fuß ab Tal sind es über zwölf Stunden, deshalb übernachten die meisten im Karwendelhaus.
Braucht man für die Birkkarspitze eine Klettersteigausrüstung?
Auf dem Normalweg nicht. Der Gipfelgrat ist mit Drahtseilen gesichert, die Schwierigkeit liegt bei einfacher Kraxelei. Ein Helm ist wegen Steinschlag sinnvoll.
Was ist die Birkkarhütte?
Ein kleines Notbiwak am Schlauchkarsattel unterhalb des Gipfels, ohne Betten und ohne Bewirtschaftung.
Mein Fazit
Die Birkkarspitze ist kein Gipfel für zwischendurch, sondern ein Projekt. Der Zustieg zieht sich, das Schlauchkar fordert, und am Grat ist Konzentration gefragt. Doch wer oben am Kreuz steht, steht auf dem Dach des Karwendels – und genau dieses Gefühl macht die lange Tour für mich zu einer der lohnendsten im ganzen Gebirge.
Weiterführende Links
Aktuelle Infos: Karwendelhaus · Region Seefeld
